Fliegen mit COPD Gold Stadium IV / Emphysem (1)

Bereits im Jahr 2002 wurde bei mir COPD Gold IV mit ausgeprägtem Emphysem diagnostiziert. Damals hatte ich noch einen FEV1 von 25 - 30 %. Trotzdem, oder gerade deshalb, begann ich ab 2004 regelmässig die Wintermonate in Thailand zu verbringen. Anfänglich war das noch ohne Probleme möglich, wenn auch ziemlich anstrengend, reiste ich doch immer alleine. Sicherlich hatte ich während meines Aufenthaltes hin und wieder Probleme mit meinen Lungen, sei es wegen eines Infektes oder weil ich mich übernommen hatte. Die medizinische Versorgung ist gut in Thailand und wie man sieht, ich lebe noch. - Solche Zwischenfälle können auch in der Heimat auftreten.
2004, Nach Erstickungsanfall sechs Tage intubiert im Koma auf ICU liegend.
und danach

Infolge mehrerer  starken Exazerbationen in den Jahren von 2005 - 2007 verschlechterte sich mein Zustand zunehmends. Mehrmals lag ich intubiert auf der Intensivstation. Einmal war ich sogar eine Woche ohne Bewusstsein. Als ich anfangs Mai 2007 von Thailand nach Hause reiste war es mir nicht mehr wohl. Erstmals spürte ich beim Fliegen einen Druck auf der Brust mit Engegefühl und Atemnot.  Im Herbst 2007 erbrachten die Untersuchungswerte noch Erstsekundenvolum (FEV1) von 17,8 % und Diffusionskapazität  (DLCO) von ca. 20 %. Vom Fliegen wurde mir jetzt dringend abgeraten. Meine Freunde in Thailand waren aber während meiner Krankheit zum Lebensinhalt geworden und ich konnte es mir nicht vorstellen sie nicht mehr besuchen zu können. - Im November 2007 wurde ich erstmals operiert, was ich in einem Post beschrieben habe: http://tomreinacher.blogspot.com/2008/01/meine-thorakoskopische.html
Bereits im Februar 2008 reiste ich wieder für 3 Monate nach Thailand. Zu diesem Zeitpunkt lag mein FEV1 bei 21,25 %  mit einer Diffusion von rund 30 %. Auf dem Flug hatte ich überhaupt keine Probleme, konnte auch aufstehen und zur Toilette gehen.
In den letzten Jahren verbrachte ich Stunden im Internet auf der Suche nach Informationen betreffend Fliegen mit COPD und Emphysem. Leider findet sich wenig Material, welches sich auf die eigene Situation anwenden liesse. Oft wird man als Emphysematiker global als fluguntauglich eingestuft. - Wenn der allgemeine Gesundheitszustand gut ist und die Krankheit stabil ist (keine kürzlichen Exazerbationen) kann man auch mit COPD und Emphysem noch lange problemlos reisen. Emphysemblasen, welche sich am Lungenrand befinden und auf dem Thorax-Röntgen sichtbar sind stellen ein erhöhtes Risiko dar einen Pneumothorax zu erleiden (Druckausgleich). Sieht man auf dem Röntgenbild nichts, ist das Risiko für einen Pneumothorax nicht höher als für einen Spontan-Pneumothorax, vor welchem niemand sicher ist. Wer schon in frühem Stadium (Gold II oder III) eine Sauerstoffbehandlung braucht, ist auf dem Flug sowieso darauf angewiesen. Komischerweise konnte man mir nicht erklären, weshalb meine Sauerstoffwerte "normal" sind, trotz der tiefen Diffusionswerte.
Trotz dessen, dass sich mein Zustand innerhalb von weniger als 2 Jahren nach der ersten Operation wieder verschlechtert hatte, hat sich der Eingriff für mich gelohnt. Auch im folgenden Jahr, also im Winter 2008/09 konnte ich nach Thailand fliegen. Ohne OP wäre dies nicht möglich gewesen. - Gegen Herbst 2009 verschlechterte sich mein Zustand weiter und man plante für September 2009 eine Re-Operation, in welcher man den rechten Oberlappen (Lobektomie) entfernte: http://tomreinacher.blogspot.com/2009/11/lobektomie-des-rechten.html
Der Eingriff schien wenig erfolgreich zu sein. So sah ich es für lange Zeit. Schon nach wenigen Metern Gehen bekam ich Atemnot und war erschöpft. Dieser Zustand dauerte  über ein dreiviertel Jahr. In dieser Zeit wurden auch sämtliche Untersuchungen für eine Lungentransplantation durchgeführt. Zu den Terminen musste ich mit dem Rollstuhl abgeholt werden. - Die geplante Reise nach Thailand 2009/10 konnte ich vergessen. - Gegen Ende des Jahres 2010 wurde es plötzlich besser. Ein Blick auf die Lungenfunktionswerte zeiget zwar eine Abnahme des FEV1 von 21,5 % im Oktober 2009 auf 20 % im November 2010, resp. 19,6 % im April 2011, doch einen Anstieg der DLCO-Werte von 25 % im Oktober 2009 auf 32,5 % im November 2010 und 33,7 % im April 2011 und bei den PaO2-Werten von 9,3 kPa im Oktober 2009 auf 10,6 kPa im November 2010 seither etwas abgenommen auf 10,2 kPa im April 2011.
Im Dezember flog ich dann doch wieder für 3 Monate nach Thailand. Erstmals aber mit Sauerstoffunterstützung. Die Hochrechnung ergab einen Abfall des PaO2 Wertes auf  rund 43 mm/Hg in 2500 m.ü.M (Flughöhe ca. 10 km). Das Limit liegt bei 50 mm/Hg, resp. 55 mm/Hg auf Langstreckenflügen. - Ein Risiko besteht natürlich immer, aber ist Leben nicht Risiko? Auch für den nächsten Winter habe ich schon wieder eine Reise nach Thailand geplant.


Bild: Antritt der Heimreise, Flughafen Udon Thani, Thailand März 2011






Der blanke Horror im CHUV (Centre Hospitalier Universitaire Vaudois), Lausanne

Abklärungen für Lungentransplantation infolge COPD/Emphysem

Zweitägiger Aufenthalt im CHUV Lausanne

Im Rahmen der Abklärungen für eine allfällige Lungentransplantation, musste ich mich einer Reihe von Untersuchungen unterziehen, welche man fast alle im Universitätsspital Basel durchführen konnte. Diese rund zwanzig, zum Teil unangenehmen, Untersuchungen konnte man innerhalb von 2 1/2 Tagen gut geplant durchführen. Trotzdem musste ich dann noch für zwei Tage in die Universitätsklinik nach Lausanne, dem Lungentransplantationszentrum in der Westschweiz.
Den ersten Termin musste ich absagen, da das Einladungsschreiben einen Tag vor dem Termin bei mir angekommen war. Der als B-Post verschickte Brief war eine Woche früher datiert als abgestempelt. Mehr muss ich hierzu nichts sagen.

In aufwendigen Abklärungsgesprächen wurde versucht einen neuen Termin zu vereinbaren. - Wir vereinbarten provisorisch einen Termin für den 2./3. August 2010. Der Transplantationskoordinator P.U. wollte mich nochmals telefonisch kontaktieren, was er aber unterliess und stattdessen bis zum 2. August in die Ferien reiste. Dies erfuhr ich per schriftlicher Terminbestätigung. - Nun hatte ich noch einige Fragen, welche ich vor meiner Reise nach Lausanne beantwortet bekommen wollte. Per Email und in Englisch versuchte ich vom Transplantationskoordinations-Team eine Antwort zu erhalten. Ich verschickte drei Emails, bevor ich nach einer Woche Antwort erhielt.

Um nach Lausanne zu kommen, musste ich mit dem IVB (Invalidentaxi) reisen. Dies kostete für hin und zurück Fr. 3'300.00.

Am 2. August fuhr ich nach Lausanne. Um 12.00 Uhr musste ich dort sein. Die Fahrerin schob mich im Rollstuhl zur Information, wo man weder der Deutschen noch der Englischen Sprache mächtig war. Die richtige Anmeldung erfolgte dann, glücklicherweise in Deutsch. Das zuvor ausgefüllte Anmeldeformular lag zwar da, doch wollte man alle Informationen von mir selbst wissen. Warum auch einfach, wenn es kompliziert geht. Da ich für diese 2 Tage einen Internetanschluss wünschte, musste ich sofort Fr. 30.00 bezahlen. Die Übertragungsrate betrug schlappe 2000 kb/s. Nichts mit ruckelfreiem online TV! Fernsehapparate oder Radio im Zimmer gibt es nicht. Auf Wunsch kann man das verlangen, natürlich auch kostenpflichtig. Nach der Anmeldung wurde ich in den 16. Stock geschickt. Dort ging ich zur Anmeldung wo ich schlicht 15 Minuten ignoriert wurde. Man vermied jeglichen Augenkontakt. Insgesamt dauerte es 30 Minuten bis mir ein Zimmer zugewiesen wurde. Die Luft in diesem Korridor war derart schlecht, dass ich kaum atmen konnte. Man schrieb mir eine Zimmernummer auf und zeigte mit dem Finger in welche Richtung ich musste. Es gab dann tatsächlich eine Krankenschwester, welche Englisch sprach und mir mein Bett in diesem Fünfbettzimmer zeigte. - Es war eine Canadierin, welche sich sehr bemühte und hilfsbereit war.

Folgender Terminplan war mir ausgehändigt worden:

1. Tag (Unterstrichen = erfolgt, Kursiv = nachträgliche Änderung)

12.00 Uhr Bluttest und EKG, im Zimmer ca. 10 Min.
13.00 Uhr Konsultation Prof. Ris, Transplantationschirurg, im Zimmer (verschoben)
14.00 Uhr Konsultation Prof. Nicod, Pneumologe, im Zimmer ca. 5 - 7 Min.
17.00 Uhr Konsultation Dr. Wellinger, 2. Chirurg, im Zimmer (nicht erschienen)
Der Termin um 13.00 Uhr fand nicht statt, da eine Transplantation dazwischen gekommen war. O.K. konnte ich verstehen.

2. Tag (Unterstrichen = erfolgt,  Kursiv = nachträgliche Änderungen)

09.00 Uhr Echokardiogramm (Termin wurde aufgehoben)
Zw. 11.00 - 13.00 Uhr Prof. Ris (eingeschoben, nicht erschienen)
13.00 Uhr Konsultation Anästhesist (Termin wurde aufgehoben)
13.00 Uhr Konsultation Infektiologe (eingeschoben) ca. 15 Min.
14.00 Uhr Transplantationskoordination (Termin wurde aufgehoben)
Ohne Zeitangabe: Infektiologe
14.30 Uhr Konsultation Prof. Ris und Anästhesist im Zimmer ca. 20 Min.
Zusammengefasst ergibt das einen Zeitaufwand von ca. 50 Min. wofür ich mich während 30 Stunden im Spital zur Verfügung halten musste. Die Kosten für diese Aktion beliefen sich auf rund Fr. 4'800.00.


Mahlzeiten auf unterstem Niveau!

Dass es so etwas heute noch gibt und dann sogar in der Schweiz, ist unfassbar. Man konnte zwischen dem normalen oder dem vegetarischen Menu wählen. - Fertig.
Das Essen war immer kalt und bescheiden gekocht. So konnte ich vom Mittagessen lediglich ca. eine Tasse des gekochten Risottos essen. Davon wurde ich zwar nicht satt, aber das kümmerte auch niemanden. Später am Nachmittag gab es einen markenlosen Instantkaffee. Trotz meines Hungers konnte ich das Nachtessen nicht hinunterwürgen. Kalte poschierte Eier in einem gesalzenen Tomatenpüree und verkochte Spaghetti. - Oh ich vergass die köstliche Vorspeise, eine Holzfällersuppe, zu erwähnen. Vermutlich zusammengemixt aus den Resten des Vorjahres. - Das Frühstück (die Bezeichnung stimmt hier nicht ganz) wurde um 10.00 Uhr serviert und bestand aus kaltem Kaffee und zwei Scheiben trockenem Brot.

Zusammengefasst hatte ich innerhalb von 22 Stunden eine handvoll Risotto und einen Kaffee.
Ich war schon in einigen Krankenhäusern in Afrika, Asien und Europa. So etwas hatte ich bisher nicht erlebt.

 Pflegepersonal oder Gefängnisaufseher?

Grundsätzlich sprachen alle PflegerInnen Französisch. Von fünf PflegerInnen sprach nur eine Englisch. Schlimm empfand ich, dass man weder Kaffee noch Tee bekam, selbst dann nicht, wenn man danach fragte. In der Nacht konnte ich vor Hungergefühl kaum schlafen. Jede Stunde kam eine Wache durchs Zimmer und blendete einem mit der Taschenlampe ins Gesicht. Es kam mir vor wie in einer Anstalt. Um ca. 6.00 Uhr wurde ich geweckt indem man die Nachttischlame direkt, etwa 10 cm über meinem Gesicht einschaltete. Ich erschrak dermassen, dass ich kaum noch Luft bekam. Die ungeschickte Pflegerin schaute mich noch blöd an und wollte dann den Blutdruck und die Temperatur messen. Wozu? Ich schickte sie weg. Da ich um 9.00 Uhr zum Echokardigramm hätte sollen, fragte ich nach Frühstück, resp. einem Kaffee. Ich fühlte mich wesentlich schlechter als am Tag zuvor und geschwächt. Von anderen Spitälern war ich es gewohnt, dass wenn man schon um 08.00 zu Untersuchungen musste, man schon um 07.00 Uhr Frühstück erhielt. Immer ganz toll, wie im Hotel. Hier im CHUV war das offensichtlich nicht so, musste ich erfahren. Mein Wunsch nach Nahrung wurde abgelehnt. Ich solle warten. Ich erklärte dann, dass ich ohne Frühstück nicht zur Untersuchung gehen würde. Ich verlangte nach dem deutschsprachigen Koordinator P.U., welcher dann mit einer Frau Dr. C.B. ankam, welche ich zuvor nie gesehen hatte. Diese fing sofort an laut zu werden, machte mir Vorwürfe, dass ich Fragen stellte, dass ich Dinge forderte, wie Nahrung oder sogar Respekt. Sie fand es unmöglich, dass ich keine Familie hätte, welche mich ins Spital begleiten würde, wie bei anderen Patienten, oder wenigstens Freunde, welche dies tun könnten. Diese Frau war komplett aus der Fassung geraten und sehr beleidigend; erklärte, dass man anderes zu tun hätte, als sich mit mir zu beschäftigen. Dass ich der zahlende Kunde bin, schien da keine Rolle zu spielen. - P.U., der Koordinator lenkte dann ein und erklärte, er fände es am besten, wenn ich mich in Zürich behandeln lassen würde.
Sollte ich mich für eine Lungentransplantation entschliessen, müsste ich also Zürich wählen. Es gibt nur diese zwei Möglichkeiten, Lausanne oder Zürich. In diesem Falle hätte ich alle Voruntersuchungen, welche mehrere tausend Franken gekostet haben, vergebens über mich ergehen lassen, resp. müsste ich alle in Zürich nochmals ertragen. - Aber ich finde es schon sehr fragwürdig, ein schlechtes Spital wie das CHUV als Lungentransplantationsklinik zu zulassen. Tatsächlich gehört das CHUV Lausanne nach der Universitätsklinik Genf, zum schlechtesten Krankenhaus der Schweiz, gemäss Comparis Vergleichsliste der Schweizer Spitälern. Nun, ich kann dem nur in aller Form zustimmen. - Das schliesst die ärztliche Versorgung natürlich aus. Vielleicht wird man super operiert und behandelt, aber wie schnell kann man genesen, wenn die Pflege danach eher beischeiden ausfällt?

Hygiene auf der Toilette
Da hätte ich doch noch die Toilette im Zimmer zu erwähnen. Ein kleiner Raum, nicht einmal einen Quadratmeter gross, mit einer Toilettenschüssel und einem kleinen Lavabo ausgestattet und schwach beleuchtet. Als Zusatz stand da noch eine Maschine, welche Bettpfannen reinigte. Darüber war ein Regal mit sämtlichen Chemikalien, welche man für Stuhlproben benötigt. Stuhlproben wurden also gleich auf der Toilette gemacht. Auch die Urinflaschen standen da herum. Es kam auch vor, dass man auf die Toilette ging und danach die Hände nicht waschen konnte, weil eine volle Bettpfanne des anderen Patienten im Lavabo stand.

Bisher habe ich nur eine negative Erfahrung im CHUV gemacht. Sollte ich einmal einen positiven Aufenthalt dort erleben, werde ich darüber entsprechend berichten.

Hier nun der link zu meinem neusten Aufenthalt im CHUV, welcher sehr angenehm verlaufen ist: http://tomreinacher.blogspot.ch/2013/02/finale-abklarungen-zur.html

Exazerbation nach Zahnarztbesuch

Es sind nun mehr als acht Monate seit meiner letzten LVRS, resp. Lobektomie vergangen. Der Winter war hart und ich hatte das Haus in dieser Zeit nie verlassen. Im März musste ich zu Zahnarzt. Wenige Tage später begann ich zu husten und hatte purulenten Auswurf. - Ich hatte mich bakteriell infisziert, beim Zahnarzt. Nun schon zum zweiten Mal. Und das in der staatlichen Zahnklinik in der "sauberen" Schweiz. Einige Tage später hatte ich 38 Grad Fieber und konnte mich kaum mehr vorwärts bewegen. Wie mir der Arzt empfahl begann ich sofort mit Kortison (Prednison) und Antibiotika (Avalox). Am selben Abend fühlte ich mich so schlecht, dass ich die Ambulanz anrief und mich ins Spital einliefern liess. - Die Abklärungen waren sehr oberflächlich und wichen stark von den Empfehlungen der ERS (European respiratory society) ab. Man sagte auch ich hätte gar keine bakterielle Infektion und solle das Antibiotika nicht weiter nehmen. Am nächsten Tag entliess man mich nach Hause. Halb nackt stellte man mich bei 8 Grad vor die Tür. So die Notfallstation Basel des Universitätsspitals. - Auf meine schriftliche Reklamation wurde nicht einmal geantwortet. Schock!!!
In der Folge hatte ich Kontakt mit meinem Hausarzt und dem Pneumologen. Beide empfahlen mir die weitere Einnahme von Antibiotika und Kortison. - Es dauerte insgesamt rund drei Wochen bis zur Besserung. Es war die längste Exazerbation bisher. Jede Exazerbation in der Vergangenheit und im asiatischen Ausland wurde von den dortigen Ärzten innert 3 - 5 Tagen erfolgreich behandelt. Schade, dass in der Schweiz - bei diesen hohen Kosten - keine bessere Behandlung möglich ist.

COPD, Emphysem, LVRS: Vier Monate nach der Operation

Es sind nun mehr als vier Monate seit der Operation vergangen. Ich dachte ja, ich könne nochmals nach Thailand reisen, doch es scheint nicht möglich zu sein. Nach der letzten Lungenfunktion und Blutgasanalyse ende Nobember zeigte sich, dass mein FEV1 sich nicht mehr weiter verbesserte. Der Wert liegt bei 21,50 % vom Soll. Das sind 870 ml. Auch der Sauerstoffpartialdruck PaO2 ist gesunken. Bislang hatte ich damit keine Probleme, doch jetzt liegt dieser Wert bei 9,10 kPa d.h. 68,25 mm Hg. Die Sauerstoffsättigung liegt somit in Ruhe bei ca. 92 - 94 % und sinkt bei Bewegung rasch ab. Dies konnte ich auch ohne laufende Messung (z.B. im Gehtest) spüren, da ich schon nach ca. 100 m langsamen Gehens kurzatmig werde.
Mit meinen Daten brachte die Hochrechnung einen zu erwartenden Sauerstoffpartialdruck PaO2 von 43 mm Hg in Flughöhe (ca. 2500 - 3000 m ü.M). Das Limit liegt bei 50 mm Hg. So wurde die Krankenkasse vom Lungenfacharzt schriftlich gebeten die Kosten für zusätzlichen Sauerstoff an Bord zu übernehmen. Nach 4 Wochen Wartezeit wurde das Gesuch abgelehnt. - Fand ich etwas verwirrend. Ich schrieb daraufhin selbst der Krankenkasse und verlangte eine ausführliche Begründung für diesen Entscheid. Danach dauerte es nochmals eine Woche und ich erhielt einen positiven Entscheid. Leider hat aber alles zuviel Zeit in Anspruch genommen. Eine Reise wäre nun frühestens gegen mitte oder ende Februar möglich. - In Thailand beginnt im März die heisse Periode und ab Mai/Juni die Regenzeit bis im September/Oktober. - In meinem Zustand ist es wohl besser, wenn ich es lasse zu reisen.
Eigentlich hatte ich mich operieren lassen um reisetauglich zu sein. Der späte Eingriff und die anschliessenden unerwarteten Komplikationen haben es jetzt verdorben.
Damit ist meine Lebensqualität erheblich gesunken. - So sitze ich den ganzen Winter in meiner Wohnung. Das letzte Mal war ich vor mehr als einem Monat ausser Haus.

Lobektomie des rechten Lungenoberlappens als 2. LVRS (Lungenvolumenreduktion)

Nach der letzten Operation wollte ich regelmässig über den Verlauf berichten. Dann aber zog ich es vor jede  Minute zu geniessen, in welcher es mir "gut" ging.
In der Zwischenzeit war ich zweimal nach Thailand gereist. Nach meiner letzten Rückkehr im Mai 2009 ging es mir aber schlechter. Im Mai 2009 wurde eine neue Lungenfunktionsprüfung mit 6-minuten Gehtest und Blutgasanalyse durchgeführt. Man kam überein weitere Abklärungen für eine Re-Operation vor zu nehmen. So wurden im Juni 2009 alle Untersuchungen durchgeführt, welche für eine erneute Operation nötig waren. Die Wichtigsten waren  Herz- und Lungenszintigraphie sowie Ultraschall des Herzes.  Da diese Untersuchungen schon 8 Stunden in Anspruch nehmen, entschloss ich mich für eine Nacht in der Kurzzeitklinik des Unispitals Basel nieder zu lassen. - Es folgte später noch ein Gespräch mit dem Chefarzt der Toraxchirurgie, welcher den Operationstermin noch etwas hinausschieben wollte und auf Sommerende festlegte.
Am 6. September 2009 um 10.00 Uhr trat ich ins Unispital Basel ein. Es folgten die ganzen Eintrittsformalitäten und Vorbereitungen. Am 7. September, gegen 10 Uhr vormittags wurde ich dann zur Operationsvorbereitung abgeholt. Da es meine zweite Operation dieser Art werden sollte war ich nicht sonderlich nervös. Es wurden mir einige Infusionen angelegt... und da hört meine Erinnerung auch schon auf, denn man wird heute meistens nicht mehr vorgewarnt, dass man jetzt ein Schlafmittel erhält. - Finde ich gut so, denn man denkt nicht noch lange nach was wohl als nächstes kommt.

Dumpfe, quälende und starke Schmerzen - die mir das Atmen erschwerten - weckten  mich auf. Ich hörte verschiedene Stimmen um mich herum, welche auf mich einredeten und nach meinem Befinden fragten und Fragen über meine Schmerzen stellten. Es wurde mir gesagt, dass man mir gegen die Schmerzen  etwas gegeben hätte. Für mich dauerte es sehr lange bis die Schmerzen nachliessen, obwohl es kaum 10 - 15 Min. waren. Nach einer

Erholungsphase öffnete ich erstmals meine Augen und nahm wahr, dass ich noch lebte und auf der Intensivstation war. - Es war eine unangenehme Situation, denn ich konnte mich kaum bewegen. Als ich die Schwester bat mir das Kissen zu richten, weil ich nicht selbständig aufsitzen konnte, meinte diese - und das ist für mich nach wie vor unfassbar - ich solle das
doch selber tun und verwies auf den Bügel, welchen man zuvor nach oben hängte, damit ich ihn nicht benutzten konnte.  Solche Dinge finde ich abschreckend. Ich wies dieses Frauchen an sich doch Hilfe zu holen, wenn sie dazu alleine nicht fähig war. Das tat sie dann auch.  - Gegen 11.00 Uhr wurde ich auf die Station in mein Zimmer gebracht.

Der postoperative Verlauf war mit einigen kleinen Komplikationen normal verlaufen. Der Operationserfolg war leider nicht wie erhofft eingetreten. Im Gegenteil. Atemtechnisch ging es mir noch schlechter als vor der Operation. 16 Tage musste ich im Spital bleiben (geplant waren 7 - 10 Tage).  Am Tag meiner Spitalentlassung fühlte ich mich fast wieder so wie vor dem Spitaleintritt. Die Heimreise war erschwerlich.  Einen Monat lang verliess ich meine Wohnung nicht. Nicht einmal zum Briefkasten. Lebensmittel liess ich mir nach Hause liefern. Dann hatte ich die erste Lungenfunktionsprüfung, welche zeigte, dass der Erfolg mässig war. Meine geplante Winterreise nach Thailand musste ich vorerst aufschieben. Ob daraus noch etwas wird?
Man hat vereinbart, dass ich anfangs Dezember 2009 nochmals zur Lungenfunktion komme, in der Hoffnung und mit der Erwartung, dass sich mein Zustand noch verbessert. Tatsächlich habe ich in den letzten zwei Wochen eine leichte Verbesserung verspürt. In dieser Zeit bin ich zweimal alleine ausser Haus einkaufen gegangen. - Die Chefärzte gehen davon aus, dass der schleichende Erfolg auf die offene Operation zurück zu führen ist.
Die ersten zwei Bilder zeigen die Narbe kurz nach der Operation, das letzte Bild zwei Monate später. Die Narbe misst rund 18 cm.

Meine thorakoskopische Lungenvolumenreduktion - LVRS

Das Netz ist inzwischen voll von brauchbaren Informationen über die Krankheit COPD (chronisch obstruktive Lungenkrankheit) und Lungenemphysem. Dabei wird auch auf die Therapiemöglichkeiten hingewiesen.
Ich beschreibe hier, in möglichst kurzer Form, wie die Situation für mich vor, während und vor allem nach der Operation war, resp. was mir die Operation gebracht hat:
Schon mit 25 Jahren litt ich an COPD. Damals diagnostizierte man allerdings Asthma, was nicht richtig war. Erst später, mit 30 Jahren, nachdem ich 2 Lungenentzündungen hatte, stellte man im Universitätsspital Basel (USB) fest, dass ich an Lungenemphysem (Lungenüberblähung) leide und ich dringend zu Rauchen aufhören sollte. - In den folgenden 10 Jahren verschlechterte sich mein Zustand zunehmends, d.h. ich litt immer stärker unter Atemnot und musste meine Tätigkeiten einschränken. Nach einer umfassenden Abklärung im Jahr 2002/03 im USB erhielt ich eine Invalidenrente zu 100 %. Ich wurde über operative Möglichkeiten informiert, doch konnte ich mich zu diesem Zeitpunkt nicht damit anfreunden. Erst im Herbst 2007, nachdem ich mich nochmals einer Lungenfunktionsprüfung unterzog, entschied ich mich abklären zu lassen, ob eine LVRS (Lungenvolumenreduktion) bei mir möglich ist. (Achtung, es handelt sich dabei nicht um eine sogenannte Bullektomie, bei welcher lediglich einzelne grosse Blasen entfernt werden). Nach wie vor handelt es sich bei dieser Operation um einen risikobehafteten Eingriff und wird nur bei einer kleinen, ausgewählten Gruppe COPD/Emphysem Patienten durchgeführt, welche sämtlkiche Kriterien erfüllen. Zuerst einmal sollte es sich um ein heterogenes Emphysem handeln. Dann sollte dieses im apikalen Oberlappen konzentriert sein, d.h. dass die unteren Bereiche noch funktionstüchtig sind. Das Herz sollte O.K. sein und man muss das Rauchen aufgegeben haben. - Dass man auch Alkohol- und Drogenfrei sein sollte, versteht sich wohl von selbst. Die zahlreichen Untersuchungen, wie Spirometrie, Blutgasanalyse, 6-min. Gehtest, Röntgen, Echokardiographie, Lungenszintigraphie und weitere Blutuntersuchungen haben bei mir ergeben, dass ich die Kriterien zur LVRS, erfüllte.

Erwähnenswert ist noch mein Alter. Für das zu diesem Zeitpunkt erreichte Krankheitsstadium bin ich ziemlich jung, d.h. normalerweise ist man dann schon mindestens 10 - 20 Jahre älter. Bei mir sind aber noch genetische Einflüsse vorhanden (Grossvater starb an Lungenkrebs, Vater hatte chronisches Bronichialasthma und die Mutter auch COPD).
- Nach all den Untersuchungen stand fest, dass mein FEV1 (Forciertes expiratorisches Volumen nach der 1. Sekunde) noch 18,6 % ( das sind noch ca. 8 dl) vom Normalwert betrug und meine TLC (Totale Lungenkapazität) 143 % . Bei solch einer starken Überblähung verwundert es auch nicht, dass ich massive Magen- und Darmprobleme hatte, da die Lungen auf den Magen drückten und meine Ernährung massiv beeinflussten. Im Normalfall konnte ich mit Mühe ein Gewicht von 59 kg halten, bei 1.80 m Körperlänge. Nach akuten Infektionen sank mein Gewicht zeitweise bis auf 52 kg, das entspricht einem BMI von 16,05. Der medizinisch tolerierte Minimalwert liegt bei 18. D.h. mit 59 kg war ich noch innerhalb dieser Limite.

Ende Oktober 2007 begann ich mit der Einnahme der Antiraucherpille Champix und am 7. November 2007 rauchte ich meine letzte Zigarette. Dieses Medikament hat wirklich gut geholfen um mit dem Rauchen aufzuhören. Alle früheren Versuche mit anderen Hilfmitteln (Pflaster, Kaugummi etc.) haben nichts gebracht.

Der Spitaleintritt wurde auf den 20. November 2007 gelegt. Am darauffolgenden Tag, gegen 11.30 Uhr wurde ich für die Operation abgeholt und vorbereitet. Im Vorbereitungsraum wurden mir verschiedene Katheter gelegt, zwei am Arm, resp. Handgelenk, ein Zentralkatheter am Hals und am Rücken einer für die postoperative Schmerzstillung. Dazwischen wurden mir 2 - 3 Spritzen verabreicht, welche zur Entspannung dienen sollten. Irgendwann trat ich weg und schlief ein. - Die Operation wurde minimalinvasiv, d.h. thorakoskopisch durchgeführt, d.h. auf beiden Seiten entstanden je zwei kleine Schnitte (je ca. 1,5 cm) und ein grösserer Schnitt (je ca. 3 cm). Die grössere Öffnung diente zur Entnahme der Lungenstücke. Insgesamt wurde 40 % der Lunge entfernt. Diese Operationmethode ist wesentlich schonender und es bleiben weniger hässliche Narben zurück, resp. sind diese kleiner, als wenn der Brustkorb geöffnet werden muss.
Am späteren Nachmittag, so gegen 17.00 Uhr erwachte ich auf der Intensivstation. Erfreulich war für mich, dass ich mich so fühlte, als wäre ich aus einem normalen Nachtschlaf erwachen. Ich hatte weder Schmerzen noch war mir übel. Einzig war ich sehr hungrig, doch um ein Abendessen zu bestellen war es schon zu spät. Die ganze Nacht hindurch ass ich Zwieback und trank Kaffee oder Tee. Zwischendurch schlief ich ein wenig. Es war eine lange Nacht und ich war froh als endlich das Frühstück kam. Die Schwester wollte, dass ich zum Essen aufstehe und auf einen Stuhl neben dem Bett sitze. Es dauerte rund 15 - 20 Minuten, bis dieses Vorhaben umgesetzt war, denn ich war ja rundum verkabelt. Da waren beidseitige Doppeldrainagen (d.h. vier Drainageschläuche), Sauerstoffzufuhr, EKG, Epiduralanasthäsie zur Schmerzbefreiung, Urinkatheter und natürlich die Kathether am Arm und Hals, über welche Antibiotika und Glukoselösungen flossen. - Nach dem erschwerlichen Frühstück wurde ich vor Ort mit einem mobilen Gerät geröngt. Gegen 14.00 Uhr wurde ich auf die Station verlegt. - Schon zwei Tage später konnte links eine Drainage entfernt werden, nach 3 Tagen die andere. Rechts dauerte es zwei Tage länger. Ebenfalls 3 Tage nach der OP verrutschte der Epiduralkatheter und muste in der Nacht zum 4. postoperativen Tag entfernt werden. Danach hatte ich häufiger Schmerzen, trotz dessen, dass ich in den folgenden 2 Tagen Morphium gespritzt bekam, neben den Schmerztabletten und -tropfen. Ab dem 6. Tag begann ich die Schmerzmittel zu reduzieren. Dadurch, dass der Epiduralkatheter entfernt wurde, konnte ich auch vom Urinkatheter befreit werden und wurde schneller mobil. Ab dem 7. Tag war ich voll mobil und konnte schon alleine ins Café marschieren. Ich hatte keine Atemnot beim normalen Gehen. Seit meiner Operation habe ich übrigens 9 kg Gewicht zugenommen. Am 9. Tag, d.h. nach total 10 Spitaltagen, wurde ich nach Hause entlassen. Es war Freitag, der 30. November 2007. Dort angekommen musste ich erst einmal Lebensmittel einkaufen, was ziemlich problemlos möglich war. Innerhalb der Wohnung kann ich mich ohne Atembeschwerden frei bewegen, kann baden, Haare waschen, kochen etc. ohne gleich Erstickungsgefühle zu bekommen. Ausserhalb der Wohnung kann ich ebenfalls ohne Atemnot doppelt so weit gehen als vor der OP. Einzig bei Temperaturen unterhalb von 5 Grad, fällt es mir etwas schwerer zu atmen. Ich glaube auch, dass es in einigen Wochen noch besser wird. Ich werde die nächsten 4 Wochen in die Physiotherapie gehen und anschliessend für 2 - 3 Monate nach Thailand zu meiner "Familie" und Freunden reisen.

Die Narben 6 Wochen nach der Operation, d.h. am 6.1.08.









2009 beigefügt:
Nach der Operation dauerte es rund 2 Jahre bis meine Lungenwerte wieder so schlecht waren wie vor der Operation.